Samstag, 28. November 2015

Schäme dich nicht


4x im Jahr gibt es seit inzwischen 2 Jahren auch in Wedel SISTERHOOD Treffen.
Immer mit schöner Deko, einer Kleinigkeit zu essen, einer "Tat der Veränderung",
einem "Giveaway" und einem "Input". Für den war heute ich zuständig und ich lasse Euch mit diesem Post an meinen Gedanken (und meinem Leben), unserem SISTERHOOD Vormittag teilhaben:






Kurze Vorstellung meiner Person:
Ich heiße Julia, bin 49 Jahre alt, habe eine 17 jährige Tochter und war 24  Jahre verheiratet.
Seit Juni bin ich geschieden. Als Teenager hatte ich eine schwere Essstörung und überhaupt habe ich mich innerlich sehr schwer getan mit dem Leben, meinem Selbstbewusstsein....
Das ist eine Wahrheit.
Aber es gibt auch die andere Wahrheit:
Dass mein Leben Gottes Liebesgeschichte mit mir ist. 
Meine Ursprungsfamilie mir unglaubliche Ressourcen mitgegeben hat an Kreativität, Liebe und Glauben....




In schweren Zeiten des Lebens wird man von seinen Mitmenschen gerne darauf hingewiesen, dass jede Krise im Leben auch eine große Chance birgt.
Ich war mir nicht immer sicher, ob sie wussten, wovon sie redeten- aber es ist tatsächlich so.

Ich lese ein paar Verse, die mich auch schon als Teenager angesprochen haben. Ich hatte immer das Gefühl, ich sei gemeint.
"Hab keine Angst, du wirst nicht mehr erniedrigt werden! Niemand darf dich je wieder beschämen. Du wirst vergessen wie man dich in deiner Jugend gedemütigt hat, und nicht mehr an die schwere Zeit zurückdenken, in der du als Witwe (Verlassene) allein dastandst....
Du bist wie eine verstoßene Frau, die tief enttäuscht ist, weil ihr Mann, der sie als junge Frau liebte,sie verlassen hat...
Du Leidgeprüfte, vom Sturm gepeitscht, von keinem getröstst- ich will dich wieder aufbauen. Dein Fundament lege ich aus Saphiren, fest gemauert mit Mörtel. Für die Brüstung deiner Mauern verwende ich Rubine und für die Tore Kristalle, auch die Mauer soll aus Edelsteinen sein..."

Die Bibel, aus Jesaja 54, eigentlich über die Stadt Jerusalem gesprochen.

Aber es steht ein göttliches Prinzip dahinter, das auch für mein Leben gilt. Ent-schämung, frei werden von Scham. Sich nicht mehr schämen. Würde bekommen.


 
Quelle: Pinterest


Hinfallen
Aufstehen
Krone richten
Weitergehen


Oder

Always wear
your invisible
crown

Trag immer
deine unsichtbare Krone


Jeder kennt den Spruch, er begegnet uns zur Zeit auf Facebook, bei Pinterest, auf Postkarten, Verpackung von Papiertaschentüchern...in zahlreichen Variationen



Klingt ja auch großartig! Ist auch großartig!
Aber was, wenn wir nicht wissen, wie das geht? Keine Krone haben? Oder sie uns gar nicht passt. Oder wir uns gar nicht aufrichten können, weil wir nicht wissen wie das geht.
Weil wir uns schämen.
Weil wir tief drinnen in uns denken, unwürdig zu sein.
Es nicht wert zu sein...
Wie komme ich zu diesem Thema und worum geht es überhaupt?
Scham, sich schämen, Schande- was ist das und wie kommt Scham in unserem Leben?


Scham als Beschämung ist eine zerstörerische Kraft, ein Lebensgrundgefühl.

Menschen schämen sich auch ihrer Herkunft, ihrer Familie, ihrer gesellschaftlichen Stellung, für Arbeitslosigkeit, Armut, Alkoholismus oder Scheidung der Eltern, für ihre Volksgruppe, ihres Geschlechts oder ihres Aussehens. Das Gefühl, nicht zu genügen, verkehrt zu sein kann schon im Mutterleib beginnen. Ängste, Unsicherheiten, Ungewolltsein werden auf das Ungeborene übertragen. Familiengeheimnise mit Geschichten von vererbter Scham über Generationen weitergegeben. Missbrauch durch Gewalt, emotional durch Worte, Herabsetzungen und Beschimpfungen oder sexueller Art beschämen immer und zerbrechen die Identität. Auch schlimme Erfahrungen, Trennungen, Verluste... beschämen. Vorgeführt werden, öffentlich bestraft oder bloßgestellt, plötzlich fallengelassen von Freunden, verletzende Spitznamen, Brille, rote Haare, Unter- oder Übergewicht, zu klein, zu groß, zu still, körperliche Gebrechen, Ausländer oder einfach nur "anders".
Da bin nicht ich schuldig geworden, sondern andere an mir, indem sie mich durch ihre Worte oder Taten beschämt haben. Oder meine Lebensumstände haben mich beschämt. Ich z.B. habe mich ganz schrecklich für meine Körpergröße und Hautkrankheit geschämt.


Wir merken, das hat nichts mit eigener Schuld zu tun und die meisten dieser Dinge können wir gar nicht beeinflussen und konnten es als Kinder erst recht nicht. Und doch ist es geschehen, es ist unsere Geschichte.

Scham ist das Gefühl, nicht Schuld begangen zu haben, sondern Schuld zu sein.
Schuldgefühle sagen: Du hast einen Fehler gemacht. 
Scham sagt: Du bist ein Fehler!
Ich möchte weglaufen, mich verstecken, unsichtbar machen, im Boden versinken, mich schützen. Fühle mich hilflos, ausgeliefert, machtlos. Nicht kämpfen und nicht fliehen können. Da ist was Schlimmes. Es ist unaussprechlich. Man kann nicht hinschauen. Das muss unbedingt ein Geheimnis bleiben. Ich würde es am liebsten abspalten. Ich empfinde heftige Ablehnung gegen das, wessen ich mich schäme. Doch wenn das "Schreckliche" so sehr eng mit mir selbst verbunden ist, bleibt nichts als mich selber abzulehnen.
Wir sind zerbrechlich, verwundbar und empfindsam geschaffen, haben die Fähigkeit zu großer Sensibilität und Tiefe- können daher auch leicht und heftig verletzt werden! Nicht jeder Mensch bewertet eine ähnliche  Situation  wie der andere. Der eine geht tief verletzt, das Geschwisterkind trifft es vielleicht gar nicht.

Kinder können nicht trennen zwischen Tun und Sein.
Du bist ein Fehler. Ich bin falsch.
Dieser Satz ist  so existentiell und tief verletzend, dass er ganz schnell zugedeckt und eingemauert wird. Ob andere ihn über uns gesprochen haben, wir es "gefühlt" haben oder selber zu dem Schluss gekommen sind. Der Schmerz darüber ist einfach zu groß. Gerade für ein Kind- und diese Kinder tragen wir ja oft versteckt als lebendige Geschichte in uns.
Mich meiner selbst zu schämen, heißt zu glauben, dass ich als Mensch so wie ich bin nicht richtig bin, ein ständiges unterschwelliges Gefühl von Wertlosigkeit, nicht gut genug zu sein, nicht zu genügen. Indem ich nicht wahrhaben kann oder will, spalte ich einen Teil von mir ab- tue so als sei er nicht vorhanden, bin innerlich gespalten. Ich bin nicht ganz, nicht vollständig. Im Schatten meines Halb- oder Unterbewusstseins lauert dieser Teil, der sich wertlos, falsch und schlecht fühlt.

Als mein Mann ging und ich die  Augen schloss und das innere Bild meiner Selbst anschaute, sah ich eine junge Frau? eigentlich ein Kind! auf einem Feld, einem Hügel, nackt, zusammengekauert mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden. Ausgeliefert, schutzlos.....
Und wenn ich ehrlich bin, kenne ich dieses Bild von mir schon mein ganzes Leben. Nicht erst als ich es ganz deutlich sah, als mein Mann mich verlassen hat und ich die Augen vor der Wahrheit nicht mehr verschließen konnte. Aber ich wollte es nicht wahrhaben.
Und außerdem gab es ja auch noch mein Außenbild, meine Fassade. Ein starke, wehrhafte, stachelbewährte, breitbeinig dastehende Person in meinem Hauseingang.

Tiefe Lebenskrisen bringen uns manchmal in Kontakt mit uns selbst wie wir das eigentlich gar nicht wollen. "Ich liebe dich nicht mehr, ich verlasse dich". Da konnte ich die Augen nicht mehr verschließen vor der Beschämung. Und irgendwann in all dem Leid und all den Tränen habe ich gemerkt, es sind nicht nur die Tränen über diesen Verlust. Ich weinte über mein ganzes Leben, dieses Gefühl so wie ich bin nicht zu genügen, nicht "schön" genug zu sein, war vorher auch schon da. Die an die Esssucht verschwendeten Jahre, die verlorene Teenagerzeit, die Einsamkeit....
 Nur schön verleugnet, überdeckt mit maßloser Aktivität und allen möglichen anderen Verdrängungsmechanismen.
Und auch das Außenbild begann zu bröckeln. Ich war nicht mehr stark, nicht mehr gefühllos, brauchte Hilfe, kam nicht mehr allein zurecht, schaffte es nicht mehr, nicht zu weinen, war nicht mehr perfekt, das schöne Heile-Welt- Bild der christlichen Vorzeigefamilie dahin.
Ich begann wahrzunehmen, wie hart ich mein Herz gemacht hatte. Hart, richtend, erbarmungslos, distanziert, kalt......
Warum war ich so geworden?

 
Wir möchten überleben, müssen weiterleben und so entwickeln wir wir ein Selbstschutzprogramm. Eine Überlebensstrategie.
Es entsteht ein dicker Schutzpanzer um unser Herz, der unser Innerstes schützen soll vor erneuter Beschämung. Leider ist dieser Schutzpanzer keinen gesunde Grenze, sondern eine Mauer, die unser Herz versteinert. So bin ich vielleicht sicher vor Beschämung, verliere aber das Feingefühl nach außen.
Meine Kernperson  ist geschützt- und gleichzeitig gefangen und eingemauert.


Eine Mauer aus Tatsachen, Lebenslügen, Festlegungen, eingeübten Verhaltensweisen, Masken und Überzeugungen ist entstanden.





Wenn ich beginne, all das an Licht zu holen und einzugestehen, dann kann der Weg der Heilung beginnen.
"Sie waren nackt und schämten sich nicht". 
Steht in der Bibel ganz am Anfang. Zu Beginn gab es keine Sünde und keine Scham. 
Nach dem Sündenfall heißt es im 1. Mose: "Und sie erkannten, dass sie nackt waren und machten sich einen Schurz aus Feigenblättern" ( weil sie sich schämten).
 
Wir verstecken, überdecken die Scham mit eigenen Mitteln und bauen ein falsches Selbst auf (unsere Schutzmauer). Und Gott sieht, dass dies ein nicht ausreichender Schutz ist und macht ihnen Kleider aus Fell.  
Er ergreift die Initiative und zeigt einen Weg zur Bedeckung der Scham. Scham kann nur bedeckt werden, wenn jemand anders sie wegnimmt. Ein anderes Lebewesen stirbt dafür.
Später opfert sich dieser allmächtige, liebende Gott in seinem Sohn Jesus selber. Stirbt am Kreuz nicht nur für unsere Schuld, sondern auch für unsere Scham. Gott weiß wie sich Scham anfühlt. Er hat es selbst durchlebt. Ließ sich verspotten, war verachtet.
"Er war der Allerverachteste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg."
Die Bibel, aus Jesaja 53
 
Es steht, dass sie, nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, seine Kleider verteilten und darum würfelten. Wurde er nackt gekreuzigt? Darüber habe ich schon oft nachgedacht. Nackt am Kreuz, verspottet, verachtet, gedemütigt, von seinen Freunden verlassen. Wenn einer Scham kennt, dann dieser unglaubliche Gott!
Da liegt der Schlüssel zur Schamlosigkeit, zu unserer Heilung.
In Römer 9 steht: "Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden", dass heißt, er braucht sich nicht mehr zu schämen.
Oder in Offenbarung 3: "Kaufe von mir weiße Kleider und zieh sie an, damit du nicht nackt dastehst und dich schämen musst."
Feierkleidung anziehen, Würde bekommen, gesehen werden, geehrt werden- das ist das Gegenteil von Beschämung. Das geschieht, wenn Gott uns ansieht, wir in Beziehung mit ihm treten.


Wenn wir uns noch mal die Mauer anschauen, wird deutlich, dass der Weg der Ent-schämung nicht einfach und kurz sein kann. Was wir ein Leben lang zum Schutz unseres Innersten aufgebaut haben, dürfen wir nicht einfach einreißen. Es braucht neuen Schutz, Sicherheit, eine geheilte und geklärte Identität. Je nach dem, welchen Mauerstein wir uns anschauen, tut Trost, liebevolle Begegnung mit Menschen oder Jesus oder dem Vater im Himmel Not. Es gibt viel zu betrauern, zu beweinen, zu akzeptieren, zu vergeben....Wir brauchen selber Vergebung, wo wir aus unseren Verletzungen heraus wieder andere beschämt oder verletzt oder gerichtet oder verachtet haben.
Wir können uns bewusst trennen von Lügen, die wir glauben über uns, über Gott, über das Leben und sie durch Gottes Wahrheiten über uns ersetzen und über unserem Leben aussprechen und aussprechen lassen. Diese Lügen-Sätze der Scham können wie ein Fluch wirken, wie sich selbst erfüllende Prophezeiungen. Wenn ich z.B. Mit dem unbewussten Satz durchs Leben laufe:" Ich hätte nie geboren werden dürfen", dann werde ich nicht mutig und stark meinen Platz im Leben einnehmen können.

Wir haben das hier so dekoriert, um euch ein wenig das Gefühl zu geben, in den Thronsaal Gottes zu kommen. In Zephanja 3,17 seht:
" Der Herr, euer Gott freut sich von ganzem Herzen über Euch. Weil er euch liebt, redet er nicht länger über eure Schuld (und Scham). Ja er jubelt, wenn er an euch denkt."

In Jesaja 62: "Du sollst eine prächtige Krone sein, ein wertvolles Diadem in der Hand deines Gottes."









Dazu möchte ich euch ein Schlüsselerlebnis aus meinem Leben erzählen. Beim unserem letzten Sisterhood ging es um Vergebung. Erinnert ihr euch? An den Affen, der gefangen war, weil er die Erdnüsse in der Flasche nicht loslassen wollte? Und den Vergleich, dass wir selber frei werden, wenn wir vergeben.
   
Ich mache eine Ausbildung zur seelsorgerlichen Begleiterin bei Team-F. Bei einer Seminarwoche hatten wir die Möglichkeit zu den Mitarbeitern zu gehen, die stellvertretend dastanden für unsere Mütter und Väter, Vorfahren, Lehrer...Wir konnten Lasten loswerden, Vergeben, Vergebung empfangen...Sie haben es uns stellvertretend zugesprochen. Ich bin mit einem ganz konkreten Anliegen, das ich vergeben wollte dahin gegangen. Der Mitarbeiter hat sich das kaum zu Ende angehört, mir in die Augen geschaut und sich dann vor mir hingekniet und mich stellvertretend um Vergebung gebeten für das, was andere Männer getan haben in meinem Leben. Und plötzlich war es nicht mehr der Mitarbeiter der vor mir kniete, sondern Jesus. Jesus bat mich stellvertretend um Vergebung. Das fühlte sich ganz falsch an. Ich sollte doch vor ihm knien, oder!? Und nicht umgekehrt. Ich konnte gar nicht verstehen was da geschehen ist. In dem Moment habe ich erlebt was es bedeutet, dass er nicht nur für unsere Schuld sondern auch für unsere Scham gestorben ist. Er hat mir in dem Moment meine Würde zurückgegeben. Als er da kniete, habe ich in meinem Kopf eine Stimme gehört: du sollst eine Krone sein, ein prächtiges Diadem.
Das hat mein Herz so angerührt, mein Bild von mir selber so entscheidend verändert, dass ich mit diesem neuen Bild von mir selbst anfangen konnte, die Mauer abzutragen, Stein für Stein. Die Julia, die dahinter verborgen ist, ist geschützt, bekleidet mit Würde, nicht mehr nackt.
Wenn ich jetzt die Augen schließe und das Bild von mir selber anschaue, sehe ich eine lachende Frau. Aufrecht und bekleidet. In einem Land, dass ihr zwar noch unbekannt ist, aber irgendwie verheißungsvoll. Ein schönes Bild!

Ich lese am Ende den Segen aus 4. Mose 6. Lasst ihn  Euer Herz anrühren. Hört ihn nicht mit dem Kopf. Jede von uns weiß, was leuchtende Augen und ein strahlendes Gesicht sind. Wir alle haben schon öfter erlebt, wie gut es tut, wenn sich uns ein Mensch zuwendet, wenn er uns anstrahlt und uns mit seiner Lebensfreude gleichsam ansteckt. Verliebte. Sie strahlen sich an, sie wenden sich einander zu und sind offen füreinander. Aus ihren Augen spricht gegenseitiges Wohlwollen. So ist es, wenn Gott uns ansieht.  Kommt durch Jesus zum Thron des Vaters. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater als durch ihn. Und jede von uns, die sich unwürdig fühlt, glaubt einer Scham-Lüge, für die er sein Leben gegeben hat.



 "Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht (seine strahlenden Augen) auf dich und gebe dir Frieden!"









 Liebe Grüße von 
Julia








meine Quellen und/oder zum Weiterlesen/Weiterhören:
Team-F , Schule für Gebetsseelsorge
Dr. J. Hartl Leben als Königskind
Aufatmen, Zeitschrift, 1/2015, Dossier Scham
Blog Trauma & Würde, Selbstwürdigung, 7 Empfehlungen



 

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