Montag, 1. Oktober 2012

Wie geht es mir?

"Wie geht es Dir?"
"Immer wieder ziemlich gut!",
konnte ich neulich spontan antworten und darüber freue ich mich.
Denn diese Frage hat mich in den vergangenen Monaten oft in Not
gebracht. 
Was sollte ich sagen?
"Nicht so gut, mein Mann ist ausgezogen?"
Losheulen?
Eine Antwort, die sich sehr bewährt hat und die ich häufig verwendet habe:
"Wir haben jetzt einen kleinen Hund!"

Wie geht es mir nun, ein halbes Jahr nach
DIESEM POST ?

 

 
(Bevor ich weiterschreibe, möchte ich sagen, dass mein Mann seit Ende der 
Sommerferien wieder zu Hause wohnt, unsere Beziehung nach wie vor ungeklärt ist, 
wir es beide noch einmal miteinander versuchen wollen.) 
Nachtrag vom Mai 2013, inzwischen ist er seit einigen Monaten
endgültig gegangen.

 
Anfangs haben mich merkwürdige Fragen beschäftigt.
Darf ich überhaupt sein ? Ohne Mann?
Bin ich noch ganz?
Darf ich Gäste einladen (wenn ich denn gewollt hätte)?
Habe ich noch ein Recht dazu?
Mein Herz hat ganz andere Antworten gegeben als mein Verstand.
Da war es wieder, das alte Gefühl aus der Kindheit/ Teenagerzeit.
Nicht dazu zu gehören, Zuschauer zu sein, nicht hierher zu gehören.
Mir meines Lebensrechts nicht sicher zu sein.

Ich hatte viele hilfreiche Gespräche, habe viel gelesen und versucht 
herauszufinden woher diese Lebensunsicherheit stammen mag.
Habe in Gedanken Bilder von früher vor meinem geistigen Auge wachgerufen,
 mich erinnert was meine Mutter erzählt hat. Über ihre Kindheit,
ihre eigene Unsicherheit.
Dann bin ich damit zu Jesus gegangen und er hat die Bilder verändert,
ich konnte zu einer Neubewertung der Geschehnisse der Vergangenheit
kommen.
Ich darf sein!
Ich bin ausgerüstet mit dem, was ich zum Leben brauche.
Es gibt einen Raum für mich, den ich auch einnehmen darf!
Quelle: Pinterest
Ein riesiges Geschenk habe ich erhalten in dieser Zeit:
Einen Raum für mich allein.
Ich hätte nie darum gebeten, ich wusste gar nicht, was es mir bedeuten würde.
Und nun ist er mir zum äußeren Symbol geworden für mein inneres
"Ich darf sein!"
Bisher haben wir immer in der Ferienwohnung gewohnt,
die gerade nicht vermietet war. Das ging nun plötzlich nicht mehr,
da Haustiere nicht in die Wohnungen dürfen.
Im Sommer hätte ich im Wohnwagen schlafen können, aber jetzt?
Wenn es kälter wird?
Meine Eltern boten mir ihre Wohnung an, meine Schwester machte
das gleiche Angebot.
Ich wäre immer Gast gewesen.
Und jetzt darf ich einen großen Raum in der Scheune, Rohbau,
bisher Abstellraum für Möbel, Angelsachen.... für mich haben.
Was für ein Geschenk!
Nun kann ich mir Stück für Stück meine "Ferienwohnung" einrichten,
50 qm, 2 Dachschrägen bis zum Boden und ein herrlicher Blick über
die Felder nach Osten.
Für mich! Ein Raum für mich!
Von Anfang an, zwischen all dem Gerümpel,
mit nur 2 Matratzen auf dem Boden, 2 abgestaubten Sesseln und
einem Couchtisch habe ich mich unendlich angekommen und wohl gefühlt.

Seit Juni fahre ich nun jeden Monat für 3 Tage her, räume ein bisschen,
renoviere, lese und will weitergehen auf dem Weg,
auf dem ich die ersten Schritte gegangen bin.
 Dieser Prozess hat sich längst gelöst von unserer Beziehungskrise,
wird aber sicher nicht ohne Auswirkung auf unsere Beziehung bleiben.
Wahrscheinlich ist das die berühmte Chance zum Neuanfang,
 die in jeder Krise steckt!

Bei
MIRIAM
findet Ihr weitere gute  Gedanken zum Thema und 2 Links
zu lesenswerten Artikeln!

Anhang:

Die Entscheidung in der Krisensituation auch noch einen
Hund anzuschaffen, ist mir sehr schwergefallen.
Aber es war seit jeher der größte Wunsch unserer Tochter.
"Du wirst sehen Mama, er bringt Lachen in unseren
Trauerhaushalt!"
Wie Recht sie hatte!



Eure Julia





Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lass Dich knautschen/druecken:
es wird weitergehen und das Wichtigste dafuer hast Du wirklich IMMER bei Dir: Dich selbst!
Aaalles Andere ist zusaetzlicher Bonus!

... noch eine Prise Glueck von mir (und vermutlich von mehr Leuten als hier heute kommentieren weil man doch einen leichten 'Klotz im Hals' hat zu diesem Thema) fuer Dich dazugewunschen und liebste Gruesse ....

Gerlinde

Stärneschyiin hat gesagt…

♥♥♥...ich bin eher ein Stiller Leser...
aber ich freue mich gerade unheimlich über deine geschriebenen Worte!!!
Und freue mich mit dir♥
Alles kommt gut ♥

Herzlichst nathalie

...und deine Töchter hatten recht... ein Hund bringt immer viel Freude und Lachen ins Haus... ich möchte nie mehr ohne sein ♥♥♥

Meertje hat gesagt…

Liebe Julia

Was für einen Post, wie schön das wir bei dir Lesen dürfen über dein „Ich“.
Obwohl, Jesus in meinen Leben kein platz hat, hat der Text“ You were given this life because you are strong enough to live it, auch bei mir, Trost gespendet in meinen Leben.

Ich freue mich sehr zu Lesen über deinen und Euren Neuanfang und bin schön sehr gespannt auf weitere Fotos von „Ein Raum für mich“.

Liebe Grüße Miriam

Sathiya hat gesagt…

Liebe Julia,
Du bist nicht allein.
Die Gedanken von Tausenden sind mit Dir, bewußt oder unbewußt. Ich glaube daran, daß nichts ohne Grund geschieht, das wir etwas erleben, weil wir etwas daraus lernen sollen. Es ist schwierig, das zu erkennen oder sich einzugestehen, aber wir wachsen daran.
Ich wünsche Dir und Deiner Familie, daß Ihr das Richtige tut. Es ist immer besonders schwer für die Kinder - aber es ist manchmal besser, eine gemeinsame Zeit als Mann und Frau zu beenden als sie ziellos weiterzuführen. Oder als den Scherbenhaufen aufzukehren und zu kitten und sich ein Leben lang die Bruchstellen anzusehen. Manchmal ist es eben an der Zeit, weiterzugehen. Spirituell, persönlich, räumlich. Auch wenn es schmerzt (und das tut es, aus eigener Erfahrung). Ich frage mich, ob das Vorwärtsgehen an sich schmerzt oder das Aufgeben der lieben Gewohnheit... ? :-)
Liebste Grüße, und die besten Wünsche für Kraft und Seelenstärke, Sathiya

ChELseA LaNE hat gesagt…

Liebe Julia,

man vergisst so schnell, dass man "ich" ist, wenn man sonst "wir" ist. Und ist das "wir" dann mal weg, kann man das "ich" nicht mehr finden. Ich glaube auch, dass alles seinen Sinn hat. Und ist es nur, um herauszufinden, dass man das "ich" nicht verloren hat. Man sich wieder auf sich und seine Bedürfnisse besinnt. Sonst bleibt man auf der Strecke! Also finde dich wieder, mach deine Person nicht von deinem Partner abhängig und versuche einen Neuanfang. Und es wäre ein schöner Neuanfang "mit" Partner zu einem neuen "wir"!
Und behalte deinen Rückzugsort! ;-)
Ganz liebe Grüße
Claudia

pfeiferei hat gesagt…

Ja, da hat sich der liebe Gott schon was bei gedacht, als er uns als "ICHS" und nicht als "WIRS" geschaffen hat.

Liebe Julia, rufe mich an in der Not, so will ich dich erhören!!!

Mehr muss ich dir nicht sagen!! Schön, das du Raum und Ruhe für dich gefunden hast. Ich wünsche dir gesegnete Gedanken.

Alles Liebe Karin

Bärbel hat gesagt…

Phasen, das Leben ist eine Reihe von Phasen. Man ist niemals immer oben, oder unten, alles kommt und geht. Das ist und bleibt schön

Alles Gute für Dich und deine Beziehung. Ich habe meine Beziehung erkämpft und bin dankbar dafür.

Bärbel